Direkt zum Hauptbereich

Posts

Keine Extreme mehr, nicht im Kino, nicht für mich!

Ich war ein komischer Teenager. Obwohl ich Familie und Freunde hatte, habe ich mich oft sehr einsam gefühlt (wie viele Teenager) und deswegen oft höchst kontroverse Filme von Noé, Pasolini und Konsorten angesehen (wie nicht ganz so viele Teenager). Nach dem kürzlichen "Genuss" von Gaspar Noés erstem Spielfilm Menschenfeind habe ich endgültig beschlossen, das Kino der Extreme hinter mir zu lassen.

Der Grund hierfür liegt - wie so oft - im Menschlichen. Ohne jetzt Namen zu nennen. In einer Melange aus eigener persönlicher Weiterentwicklung und Inspiration von außen habe ich für mich beschlossen, Filme wie die aus der legendären KinoKontrovers-Reihe hinter mir zu lassen. Das Leben in all seinem Glanz und seinen Schattenseiten zu genießen und mir nicht bewusst Filme anzusehen, die mich runterziehen.

Ja, ich weiß, das klingt in höchstem Maße ignorant. Natürlich sind Filme wie der erwähnte Menschenfeind, welcher sich auf extreme Weise mit Selbsthass, dem Hass auf alle anderen und …
Letzte Posts

Dekadent und verdammt stolz drauf! Vier Platten für den puren Hedonismus

Ich habe mit dem Jahreswechsel etwas beschlossen. Ich habe beschlossen, mich künftig viel ungetrübter am Leben in vollen Zügen zu erfreuen - komme, was wolle. Denn das ist etwas, was ich in den letzten Jahren immer vernachlässigt habe. Damit ist jetzt Schluss - begraben wir die Schwere des Gemüts und holen den Champagner raus! Aus diesem Grund schreibe ich heute über ein paar Alben, die mich auf diesem Weg begleiten werden - manche bereits hier besprochen, andere nicht. Get ready 2 party like it's 1999!


Prince - 1999
Warner Bros.
1982

Das Motto dieses Albums lautet knapp: I don't wanna die, I'd rather dance my life away. Noch Fragen? Dieser Platte habe ich schon einen Text gewidmet. Aber trotzdem muss sie einfach hier nochmals aufgeführt werden. Ich will ehrlich sein, dieses Album sollte zur Grundausstattung jeder dekadenten Seele gehören. Das Album gibt über 70 Minuten Vollgas, gewürzt mit den fettesten Keyboards, Synthesizern und Drumcomputern, die man 1982 irgendwie auft…

Bis ans Ende der Welt (1991)

Wenn wir alles, was wir sehen wollen, tatsächlich sehen können, sehen wir dann nicht weniger als jemand, der nichts sieht?
Wir sind alle auf der Suche. Das ganze Leben lang suchen wir nach Bestätigung, nach Liebe, nach Sinn. Das ist wunderschön und schrecklich zugleich. Denn wer niemals aufhört zu suchen, wird manisch. Verkennt alles, was da ist und kann niemals zur Ruhe kommen. Wer aber niemals sucht, hat gar keine Chance, zum Glück zu finden. Das ist meine tiefste Überzeugung. Umso mehr verwundert es da, dass ich mit dem Kino von Wim Wenders nicht immer warm werden kann. Doch die drei Kinofilme, die der deutsche Regisseur zwischen 1984 und 1991 gedreht hat, sind absolute Meisterwerke: Paris, Texas, Der Himmel über Berlin, Bis ans Ende der Welt. Sie alle handeln von Menschen auf der Suche und den Stationen, die sie dabei passieren, den Gedanken, mit denen sie sich auseinandersetzen. 
Bis ans Ende der Welt war von Wenders als das "ultimative Roadmovie" geplant. 14 Jahre in Pl…

Special: Das spielbare Album - Zukunftsmusik?

(Dieser Artikel ist die ursprüngliche Form eines Essays von mir, welches im Rahmen der diesjährigen Salzburg-Thüringer Rhetoriktage SaTüR entstand. Die gekürzte Version ist hier sowie im SaTüR-Sonderheft der Universität Salzburg nachzulesen.)

Das interaktive Album – Zukunftsmusik?
In seinem Vortrag Furcht und Schrecken: Visuelle Rhetorik im Computerspiel DOOM erläuterte Dr. Björn Blankenheim von der Bergischen Universität Wuppertal den Paradigmenwechsel, an den die Computerspielindustrie durch die Veröffentlichung des Titels DOOM im Winter 1993 gelangt war und wie die Bild- und Tonsprache des Spieles bis in unsere Gegenwart auf immer neue Veröffentlichungen Einfluss nimmt. Ein ähnlicher Paradigmenwechsel vollzog sich 1966 in der Populärmusik, als die Beach Boys ihr revolutionäres Konzeptalbum Pet Sounds auf den Markt brachten. Ein Versuch über zwei Kulturprodukte, die weit mehr miteinander zu tun haben, als es scheint.

Erzwungener Positivismus und simple Pausenfüller – was zuvor geschah

A…

Steely Dan - Gaucho

Fastfood, das ist Essen, gemacht zum schnellen Verzehr, das - im Idealfall zumindest - zwar wohlschmeckend, aber arm an Nährstoffen ist. Quasi schnelle Happen, um wenigstens irgendetwas gegessen zu haben, wenn man keine Zeit, keine Lust oder was auch immer zum Restaurantbesuch oder zum selbst kochen hat. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht, wird feststellen, dass das selbe Prinzip der schnellen Sinnesbetäubung auch und gerade in allen möglichen Kunstformen vorherrscht. Was dem Genussmenschen McDonalds, das ist dem Filmkenner Alien vs. Predator. Und dem Musikfreund Steely Dan.

Gut, Donald Fagen und Walter Becker, die beiden Köpfe hinter Steely Dan, waren seit ihrem ersten Album (das 1972 erschien) in erster Linie für schnörkellose Produktionen bekannt, die spätestens mit dem 1977 erschienenen Aja zu auf Perfektion getrimmten Schauwerten für luxuriöse Stereoanlagen in hochpreisigen Wohnzimmern wurden. Nicht umsonst gilt die Scheibe bis heute als Referenzaufnahme. 1980 ve…

Leben und Sterben in L.A. (1985)

Das vollkommen oberflächliche, inhaltslose Leben einer desillusionierten Stadt als Basis eines der packendsten Thriller seiner Zeit, der die Frage aufwirft, wer am Ende jetzt eigentlich 'gut', wer 'böse' ist - kann das funktionieren? In den Händen des Regisseurs von The French Connection und Der Exorzist gibt es auf die Frage nur eine Antwort: es kann. Und wie es kann!

Knalliges Morgenrot schmiegt sich um eine Skyline, die direkt aus einer Folge The Bold & the Beautiful stammen könnte, dazu ertönt ein harter Drumcomputer und die Zeile in the heat of the day, every time you go away I have to piece my life together... Limousinen des Secret Service ziehen durch die Straßen, zwei Agenten scannen die Umgebung auf der Suche nach Scharfschützen. Wie in einem Musikvideo. Bereits der Anfang von William Friedkins knallhartem Thriller macht unmissverständlich klar, dass wir es mit einem Film aus den 80ern zu tun haben. Die unterkühlte Farbgebung, die bewusst künstliche Musik,…

Battle Royale (2000)

Eine grandiose Satire, haben sie gesagt. Ein erbarmungs- und absolut kompromissloser Actionthriller, haben sie gesagt, eine schockierende Dystopie, verpackt in ein hochexplosives Feuerwerk der Gewalt. Schade nur, dass der Rauch, der von diesem explosiven Werk ausgeht, in erster Linie viel Rauch um nichts ist.

Japan, Anfang des 21. Jahrhunderts: da die Jugend nicht mehr in den Griff zu bekommen ist, erlässt die Regierung das sogenannte BR-Gesetz. Diese Reform bewirkt, dass jedes Jahr eine Schulklasse auf eine unbewohnte Insel gebracht wird, wo sie sich drei Tage lang gegenseitig umbringen muss - dabei darf es beim sogenannten Battle Royale nur einen Überlebenden geben. Der Film wird von Texteinblendungen begleitet, die stets einblenden, wer gerade umgebracht wurde und wie viele der Schülerinnen und Schüler noch am Leben sind.

Auf dem Papier klingt diese Handlung zunächst einmal wirklich, wirklich vielversprechend. Die Grundidee einer Regierung, die ihre Jugendlichen ganz bewusst in ein…