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Bruce Springsteen - The River

Wenn ihr jemals eine lange, einsame Straße entlangreist, weg vom ausweglos scheinenden Leben, auf dem besten Weg in euer persönliches Paradies oder zumindest an irgendeinen Ort, an dem es besser ist als dort, wo ihr hergekommen seid, versprecht mir eines: spielt dieses Album ab. Und kein anderes.

Dem kann ich gleich noch nachstellen: alles, was ich bis dato über Bruce Springsteen geschrieben habe, war bestenfalls eine Fingerübung, ein Vorspiel zu dem, was ich hier und heute verfasse. Nebraska, dieses ruhige, beklemmende LoFi-Folkalbum, aus dessen düsteren Topoi es kein heiles Entkommen zu geben scheint, und seinen unmittelbaren Nachfolger, den Megaseller Born in the U.S.A. mit seinen Arenahymnen, die bis heute auf jedem Radiosender in heavy rotation zu finden sein dürften, habe ich bereits in höchsten Tönen gelobt. Die 70er-Alben Springsteens fanden hier noch keine Erwähnung, wobei ich vorausschicken kann, dass mir von diesen insbesondere das stürmische Greetings from Asbury Park, N.J.…
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The Cure - Disintegration

Anfang 1989 wird Robert Smith von einer Tatsache ganz besonders geplagt: sein 30. Geburtstag steht unmittelbar bevor. 1988 war ihm dies bewusst geworden, und nach dem überwältigenden Erfolg des fantastischen Doppelalbums Kiss Me Kiss Me Kiss Me, welches The Cure zu weltweiten Stars gemacht hatte, fühlt sich der Kopf der Gruppe dazu gedrängt, vor der großen 30 noch ein ernsthaftes künstlerisches Statement, quasi ein opus magnum abzuliefern - denn ab dem 30. geht's laut Smith für Musiker ohnehin nur mehr bergab. In von Drogenmissbrauch und gegenseitiger Feindseligkeit geprägten und geplagten Sessions entsteht Disintegration.

Die ersten Minuten verlaufen ohne ein Wort, ohne überhaupt irgendeine Rührung der Stimme Smiths, und doch offenbaren sie einem bereits die Kernessenz von Disintegration. Riesige, fast schon unendlich klingende Keyboards rufen eine Stimmung des Endlichen, des sprichwörtlichen letzten Stündchens hervor, irgendwo im Mix sind auch noch Drums versteckt, die die Spann…

Yacht Rock vom Feinsten: The Eagles - Hotel California

An Deck eines Zweimasters stehen, mit einem Tumbler in der Hand den Blick in die Ferne schweifen lassen, während über dem Pazifik langsam die Sonne untergeht und den Himmel in ein zartes Rot taucht... wer hat sich so etwas nicht zumindest einmal schon vorgestellt? Am besten noch mit zarten Klängen im Hintergrund, die einem nicht zuletzt auch eine Reflexion des eigenen Lebens und ganz persönlicher Irrwege und Rückschläge bieten, verpackt in sanfte Gitarren und himmelsgleiche Harmonien, auf den weiten Ozean hinausschallend mit dem Wissen, dass alles doch irgendwann zu Ende gehen muss. 

Die Musik für genau solche Momente (oder zumindest deren etwas unspektakulärere Nachahmung in den eigenen vier Wänden) stellt der Soft Rock der späten 70er-Jahre dar, seit einiger Zeit auch - halb spöttisch, halb liebevoll - Yacht Rock genannt. Wer Interpreten wie Fleetwood Mac, Hall & Oates, Christopher Cross, Elton John oder Steely Dan mag, wird sich in diesem Genre sofort zu Hause fühlen. Das Parad…

Sting - Bring on the Night

Mit Konzertalben habe ich so meine Probleme. Zu sehr hat man sich oft an Studioversionen gewöhnt, als dass man dann die Lieblingssongs in ihren oft dramatisch anderen Live-Performances wertschätzen kann. Zumindest geht's mir so. Von daher ist es wahrscheinlich gut, dass ich nie großer Sting-Fan war - denn eigentlich dürfte Bring on the Night gar nicht in meiner Sammlung sein...

Doch das eigene Leben sieht eben oft anderes für einen vor als man selbst. Als ich im beginnenden Teenageralter angefangen habe, Platten zu sammeln, bekam ich auf einem Flohmarkt von meiner Mutter Bring on the Night in die Hand gedrückt - und meine abwehrende Reaktion (ich habe Sting gehasst, bevor ich 16 war!) wurde mit einem trockenen "Irgendwann wirst du es schätzen lernen" quittiert. Während ich diese Zeilen schreibe, dreht sich das Doppelalbum bereits zum zweiten Mal an diesem Wochenende auf dem Plattenteller und während ich der Scheibe beim langsamen Drehen, dem Tonabnehmer beim Abtasten der…

Genesis - The Lamb Lies Down On Broadway

Wer schon einmal in einem wahren Rausch der Inspiration gewesen ist, kennt das: man schreibt und schreibt, wohl wissend, dass jedes Wort, jeder Satz, den man niederschreibt, allerhöchste Qualität besitzt und die ganze Welt es wissen muss. So erging es auch Genesis-Frontmann Peter Gabriel, der 1974 im Alleingang ein Doppelalbum über Sinnsuche, erste Male und eine Menge Sinnestäuschungen schrieb. Nicht alle waren damit so einverstanden...
Die zeitgenössische Rezeption des Ulysses von James Joyce war eine weitgehend entsetzte: man sprach und schrieb von dem Jahrhundertwerk als ungenießbares Konzentrat, als die 1500-seitige Fantasie eines Jungen, der sich dabei seine Pickel auskratzt, als einzige, große, verwirrende Schweinerei. Wer das im Hinterkopf behält und sich auf The Lamb Lies Down On Broadway, den Ulysses of Concept Albums (The New Yorker) einzulassen gedenkt, muss also wagemutig sein und starke Nerven besitzen. Als großer Joyce-Fan und Genesis-Liebhaber konnte ich der Versuchung …

Die allertraurigste Romantik und das schönste Leiden: Peter Gabriel - Us

Allgemein sagt man ja, Musiker in Krisen seien die besten Musiker. Geldprobleme wie bei Springsteen, die Folgen eines Überfalls auf Paul McCartney und das Wissen um Johnny Cashs baldigen Krebstod haben bei selbigen zu ganz und gar außergewöhnlichen, meisterhaften Ergebnissen geführt. Und auch Peter Gabriel stand 1992 vor den Trümmern seiner Beziehung mit der Schauspielerin Rosanna Arquette sowie vor einem zerrütteten Verhältnis zu seiner Tochter Anna-Marie. Das alles versuchte er auf seinem sechsten Studioalbum Us musikalisch zu verarbeiten.

Und wie sehr er sich ins Zeug gelegt haben muss, um seinem Privatleben das passende Soundgewand zu vermachen, wird sogleich am Opener Come Talk To Me deutlich. Afrikanische Schlaginstrumente, Dudelsack, ein armenisches Duduk sowie russicher Choralgesang veredeln das Drama um Entfremdung, um die Unfähigkeit, ab einem gewissen Punkt in Beziehungen miteinander zu reden und nicht zuletzt um unüberbrückbare Distanzen, die sich zwischen Menschen auftun …

The latest party is never far: David Bowie - "Diamond Dogs"

Wie kommt man auf die Idee, Orwells 1984 zu einem Musical umzuschreiben, komplett mit einem Hammer-Titellied und einer Menge Glanz und Glam? Sowas konnte man sich nur in den Siebzigern ausdenken - einem Jahrzehnt, das die Freude am Untergang und an Drogen aller Art so schillernd zelebrierte wie kaum ein anderes.

Das Musical sollte niemals aufgeführt werden - Orwells Witwe verweigerte dem Kopf hinter dem Projekt die Zustimmung. Dieser Kopf hieß David Bowie. Und der machte aus seinen Ideen kurzerhand ein neues Album unter dem Titel Diamond Dogs, eine musikalische Dystopie, die - angereichert mit einer Menge Anspielungen und höchst dekadent tönenden Passagen - den Weg Bowies weg vom Glam hin zu Funk und Soul ebnen sollte. Nur, macht diese Reise auch beim Zuhören Spaß?

Am Anfang war das Wort - zumindest hier. Diamond Dogs dürfte das einzige Bowie-Album mit einer gesprochenen Einleitung sein und selbige mit dem Titel Future Legend erzählt gleich ganz schaurig von der postapokalyptischen Sze…