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(Film/TV)Die Simpsons - 1. Staffel (Review)

Neue Blogs gibt es wie Sand am Meer, und Die Medienkiste bildet da vorerst auch keine Ausnahme. Das Ziel dieses Blogs ist einfach, ich möchte jedem Interessierten Auszüge meines Medienlebens näherbringen. Der erste Blogpost ist deshalb ein ganz typischer, es geht nämlich, anlässlich der baldigen deutschen Erstausstrahlung der 25. Staffel der Simpsons (1.9., 20:15 auf PRO7!) um die Staffel meiner All-Time-Favourite-Serie, mit der 1989 alles anfing. Ich wünsche all denen, die es hierhin verschlagen hat, viel Spaß beim Lesen!

1989 war medial ein besonderes Jahr: Marilyn Manson & the Spooky Kids wurden gegründet, Nirvana veröffentlichten ihr Debüt Bleach und Public Enemy stürmten mit ihrer Hymne Fight the Power die internationalen Hip-Hop-Hitparaden. Gegen Ende des Jahres, man schrieb den 17.Dezember 1989, sollte sich etwas ereignen, das die Fernsehlandschaft, bis dahin vor allem von oberflächlichen Heile-Welt-Sitcoms, Crime Dramas und Seifenopern gekennzeichnet, für immer verändern sollte: Das damals noch völlig unbekannte FOX Network strahlte zur Primetime einen 20-minütigen Clip zur Weihnachtszeit mit dem Titel The Simpsons Roasting on an Open Fire aus. Als Christmas-Special zu der, damals in der Tracy Ullman Show als Lückenfüller laufenden und von Matt Groening erdachten, Show The Simpsons Shorts diente der Clip bereits als Backdoor Pilot zu einer halbstündigen Serie namens The Simpsons, die es mittlerweile bereits auf 554+ Folgen in 26 Staffeln gebracht hat und FOX zu einer internationalen Institution machte. Die erste Staffel der Serie zeigte sich noch recht bieder, ähnlich wie die Clips aus der Ullman Show, dennoch war sie wahrscheinlich eine der wichtigsten Debütstaffeln der Fernsehgeschichte. Die 13 Folgen der Staffel im Detail beleuchtet:

    Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

#7G08 - The Simpsons Roasting on an Open Fire (Es weihnachtet schwer, 17.12.89)

Als Homer erfährt, dass sein Weihnachtsgeld wegen Mr. Burns' Geiz gestrichen wird, gerät er in die Krise: Bald ist Weihnachten und er kann nun keine Geschenke kaufen. Die Lösung offenbart ihm sein Freund Barney, der sich in der Mall als Weihnachtsmann beworben hat. Homer versucht alles, um an den Job zu kommen, und als es endlich soweit ist, kommt alsbald sein Sohn Bart und entlarvt ihn irrtümlich! Nach Feierabend gehen die beiden los, um seinen Lohn abzuholen, der jedoch mit knapp 12 Dollar äußerst mager ausfällt. Homer, total deprimiert, verwettet sein Geld und verliert hochkant. Doch der Besitzer des Hundes, auf den er gewettet hat, ist verärgert und verjagt den Hund (übrigens Knecht Ruprecht!), der sogleich in Homers Arme springt und, auf Barts Drängen, mit nach Hause kommt. Somit ist das Weihnachtsfest gerettet!

Meinung: Die Folge ist sehr alt, und das merkt man ziemlich. Seien es die Gags, die noch nicht so recht zünden, oder der plumpe Handlungsstrang mit vorhersehbarem Ende, die Serie befand sich merklich noch in der Entwicklung. Doch da dies ja nicht irgendeine Folge ist und den Grundstein für etwas großes legte (und ich bei Weihnachtsfolgen generell gutmütig bin), kann ich mich zu einer Wertung von 7.5 von 10 Punkten durchringen.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

7G02 - Bart the Genius (Bart wird ein Genie, 14.1.90)

Die Schule hält einen klassenübergreifenden Intelligenztest ab und Bart ist total verzweifelt. Im letzten Moment kommt ihm die rettende Idee: In einem günstigen Moment tauscht er seinen Test mit dem des Klassengenies Martin Prince aus. Bei der Auswertung stellt sich heraus, dass Bart offenbar ein Hochgenie mit einem IQ von 216 ist! Der Schulpsychologe Dr. Pryor möchte ihn auf eine Akademie für Hochbegabte schicken, an der sich Bart jedoch nicht so recht wohlfühlt. Als er bei einem chemischen Experiment auch noch die Schule hochjagt, kommt er wieder zu Dr. Pryor, bei dem er schließlich seinen Betrug zugibt. Homer ist darüber gar nicht erfreut und möchte ihn schließlich erwürgen.

Meinung: Trotz eines sehr viel schlechteren Zeichenstils als die Pilotfolge hat mir Bart the Genius wesentlich besser gefallen. Die Figuren bekommen langsam deutliche Charakterzüge und die Gags sind schon wesentlich pikanter (KWIJIBO: Ein dicker, fetter nordamerikanischer Affe mit Haarausfall) und die Storyline steigert sich im Vergleich zum Piloten. Das gibt 8.5 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

#7G03 - Homer's Odyssey (Der Versager, 21.1.90)

Barts Klasse fährt auf Exkursion ins Atomkraftwerk von Springfield. Nachdem sie sich einen herrlichen Lehrfilm namens Our Friend the Atom ansehen durften, besichtigen sie das Atomkraftwerk gemeinsam mit Mr. Smithers, dem Handlager von Mr. Burns. Just in dem Moment kommt homer auf einem kleinen Transportgefährt um die Ecke gebogen und winkt Bart zu, was zu einem schweren Unfall führt, wegen dem Homer entlassen wird. Deprimiert und antriebslos beschließt er, seinem Leben ein Ende zu setzen und hinterlässt seiner Familie einen Abschiedsbrief. Sie finden den Brief und retten Homer, wobei sie fast von einem LKW überfahren werden. Homer sieht wieder einen Sinn in seinem Leben: Die ganze Stadt mit Warnschildern ausstatten, um sowas zukünftig zu vermeiden. Schließlich geht er gegen die größte Gefahr in der Stadt vor: das Atomkraftwerk! Nach tagelangen Protesten der Bürger hat Mr. Burns genug und stellt Homer als neuen Sicherheitsinspektor ein, ein Posten, den er gegenwärtig nach wie vor ausübt.

Meinung: Gleich die dritte Folge der Serie zeigt das Potenzial, das Matt Groening über die Jahre noch oft genug ausreizen sollte: Die Folge ist generell eine ziemlich ernste Folge und zeigt deutlich, wohin Arbeitslosigkeit, respektive Suizidgedanken führen können, nur um anschließend schon oberflächlich politische Gefilde anzukratzen, die die Serie noch jahrelang begleiten würden. Auch die Gags funktionieren hier schon ausgezeichnet (genialer Seitenhieb auf Walt Disneys Atomkraft-Lehrfilm von 1957!), was die Folge zu einer der besten der gesamten Staffel macht. 9 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

#7G04 - There's No Disgrace Like Home (Eine ganz normale Familie, 28.1.90)

Da Mr. Burns ein Firmenpicknick veranstaltet, fordert Homer von allen gutes Benehmen, um seinen Boss zu beeindrucken (um es so zu formulieren...). Das Picknick wird eine totale Farce: Marge lässt sich vollaufen, Bart jagt Schwäne und Lisa spielt im Springbrunnen. Homer weiß: Es muss sich was ändern! Nachdem er von Barney in Moe's Bar verprügelt wird, hat er den Geistesblitz (mit Hilfe einer Werbeeinschaltung während eines Boxkampfes): Eine Familientherapie! Um die zu finanzieren, versetzt er kurzerhand den geliebten Fernseher. Die Sitzung artet in gegenseitige Elektroschocks aus - die Simpsons sind ein hoffnungsloser Fall! Doch einen Nutzen hat das ganze: Dank dem Werbeversprechen bekommen die Simpsons die Gebühr von $250 gleich doppelt zurück, womit sie sich einen nagelneuen Fernseher kaufen. Die Familienidylle ist gerettet!

Meinung: Eine sehr schöne Folge (allererste in Deutschland ausgestrahlte Folge!), welche die Simpsons erstmals als Archetyp der animierten und dysfunktionalen amerikanischen Durchschnittsfamile zeigt (In Wirklichkeit sind nämlich alle Familien wie wir!). Der Plot ist zwar recht flach, doch die reine Situationskomik bei der Therapie macht diese Folge zu einem weiteren Highlight der Staffel, wenngleich sie im Vergleich zur vorherigen Folge leicht schwächelt. 8.5 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

7G05 - Bart the General (Bart schlägt eine Schlacht, 4.2.90)

Als Bart seine Schwester gegen den Schulschläger Nelson Muntz verteidigt, wird er von ihm verprügelt und mit der Warnung, morgen die selbe Abreibung zu erwarten, in eine Mülltonne gesteckt. Er befolgt Homers Rat, nach den Regeln des Schulhofs zu kämpfen und rollt am Tag darauf abermals in der Tonne nach Hause. Voller Verzweiflung wendet er sich nun an seinen Großvater Abraham Simpson, der ihm mit Hilfe des verrückten Waffenladenbesitzers Herman kampftechnisch auf Vordermann bringt und eine Armee zusammenstellt. Nach einem ausgiebigen Armeetraining (Full Metal Jacket lässt hier grüßen!) gibt er Nelson den Rest und die Folge endet mit einem versöhnenden Kuchenessen sowie einem ironischen Resümee von Bart.

Meinung: Nelson wird eingeführt und kassiert sogleich eine große Abreibung, nach der er eigentlich 'geheilt' sein sollte, was jedoch niemals der Fall war. Dank schöner Kriegsfilmanspielungen noch eine überdurchschnittliche Folge, aber ganz sicher kein Highlight, auch dank des platten Endes. 7 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)


7G06 - Moaning Lisa (Lisa bläst Trübsal, 11.2.90)

Lisa hat einen schlechten Tag in der Schule und zieht abends durch die Straßen, als sie auf den gescheiterten Saxofonspieler Bleeding Gums Murphy (dt.: Zahnfleischbluter Murphy) trifft, der ihr lehrt, ganz sie selbst zu sein und sich durch ihre Musik auszudrücken. Am nächsten Tag fährt Marge sie zu einem Musikwettbewerb und rät ihr, "immer zu lächeln, ganz gleich, wie es in deinem Inneren aussieht", doch als sie sieht, dass der Musiklehrer Lisa ohne Gegenwehr runtermacht, ändert sie ihre Meinung und geht mit Lisa gegen Ende in einen Jazzclub, in dem sie schließlich gemeinsam mit Murphy spielt. In einem weiteren Handlungsstrang holt sich Homer Hilfe von einem Video Game Wizard in der Spielhalle, da er im Boxen auf der Konsole gegen Bart chancenlos ist.

Meinung: Eine legendäre Folge der Serie, in der die beiden Handlungsstränge wunderbar parallel verlaufen und nebenbei im ersten deutlich gezeigten Ehestreit zwischen Marge und Homer münden. Führte auch mit Bleeding Gums Murphy einen der genialsten Seriencharaktere ein, dem leider nur wenige Auftritte und ein klägliches Ende vergönnt waren. Ganz klar DAS Staffelhighlight! 10 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

#7G09 - The Call of the Simpsons (Vorsicht, wilder Homer!, 18.2.90)

Flanders hat sich einen brandneuen Wohnwagen mit allem drum und dran gekauft! Das will Homer nicht auf sich sitzen lassen und fährt zum Händler. Nachdem er sich für den allergrößten Wohnwagen entschieden hat, stellt sich heraus, dass er nicht kreditwürdig ist. Doch der gewitzte Händler dreht ihm einen alten Schrottkübel an, der jeden Moment auseinanderzufallen droht. Beim ersten Ausflug in die Wildnis fliegt der Wagen eine Schlucht hinunter und explodiert, woraufhin sich die Simpsons durch die Wildnis schlagen müssen. Dabei schafft es Homer, als der legendäre Bigfoot in die Schlagzeilen einzugehen und zur Attraktion des Landes zu werden, bis Marge in Begleitung von Park Rangers ihren Homer identifiziert und damit eine Kontroverse auslöst. Währenddessen wird Baby Maggie von einer Bärenfamilie gefunden und aufgezogen, bis Marge sie wieder an sich nehmen kann. Homer wird für wissenschaftliche Tests mitgenommen und nach der gewonnenen Erkenntnis "Er ist entweder ein unterbelichteter Mensch oder ein geniales Monstrum!" wieder freigelassen.

Meinung: Gehobenes Mittelfeld. Die Handlung plätschert vor sich hin und das Ende ist mehr als nur vorhersehbar. Heimlicher Star der Folge ist der hinterlistige Wohnwagenhändler Bob, der Homer bis zum Umfallen umgarnt. 7.5 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

#7G07 - The Telltale Head (Bart köpft Oberhaupt, 25.2.90)

Bart hängt mit seinen neuen Freunden Dolph, Kearney und Jimbo rum, die ihn eines Nachts dazu anstiften, den Kopf der Statue des Stadtgründers Jebediah Springfield abzusägen. Die Stadt ist davon erschüttert und Bart fühlt sich immer schuldiger. Nach langem Hin und Her gesteht er der Familie alles und meint, geglaubt zu haben, Popularität sei das Wichtigste im Leben. Homer bricht mit ihm auf, um den Kopf zurückzubringen, wobei sie von einem wütenden Mob entdeckt und verfolgt werden, bis Bart allen die Geschichte erzählt und den Kopf wieder zurücksetzt.

Meinung: Eine sehr gute Folge mit interessanter Storyline (Geschichte in der Geschichte), die weitere Charakterzüge von Bart offenbart und die drei späteren Sidekicks von Nelson (Dolph, Jimbo, Kearney) einführt. Weiters zeigt Homer erstmals Reue, was die Sache mit der Popularität betrifft und hilft Bart dabei, seinen Fehler auszubügeln. Zudem wird erstmals Springfields Laune auf wütende, mordlüsterne Mobs dargestellt, ein Phänomen, das in der Serie noch oft genug vorkommen sollte. 8 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)


#7G11 - Life on the Fast Lane (Der schöne Jacques, 18.3.90)

Marge hat Geburtstag - und Homer hat es mal wieder total verdrängt! Er versucht, noch ein Last-Minute-Geschenk aufzutreiben und kauft ausgerechnet eine Bowlingkugen, auf der sein Name eingraviert ist. Marge ist sauer - aus Rache beschließt sie, Bowling spielen zu lernen! Ihr Lehrer ist der Schönling Jacques, ein Playboy mit französischem Akzent, zu dem Marge sich allmählich hingezogen fühlt. Homer ahnt, dass etwas nicht in Ordnung ist, doch Marge tut so, als ob nichts wäre. Als Jacques sie zu sich in die Fiesta Terrace einlädt, kommt Marge zur Besinnung und fährt stattdessen zu Homer ins Kraftwerk, wo sie sich vor allen Mitarbeitern wieder versöhnen.

Meinung: Auch wenn ich die kitschigen Episoden der Simpsons eigentlich aus Prinzip meide, so hat mir diese sogar gefallen, vor allem wegen Jacques, der eher wie eine Parodie des typischen Verehrers mit Akzent wirkt, dem keine Frau widerstehen kann (vor allem die Tatsache, dass Jacques in einem verarmten Motel am Stadtrand lebt, verstärkt diesen Eindruck). Einen ersten Auftritt von vielen hat zudem Joe Cocker's Up Where We Belong, das zum regelmäßigen Musikbestand der Serie zu gehören scheint. Zudem ist Homer hier in echter Sorge um seine Ehe, ein Bild, das man in späten Folgen nur zu oft vermisst. Das Ende ist zwar etwas viel des Guten, dennoch gebe ich 8 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)


#7G10 - Homer's Night Out (Homer, der Frauenheld, 25.3.90)

Bart bestellt sich eine Spionkamera und macht sogleich Fotos der gesamten Familie. Als Homer eines Abends zum Junggesellenabschied eines Arbeitskollegen geht, beschließt Marge, mit den Kindern essen zu gehen. Wie es der Zufall so will, findet im selben Restaurant die Party des Arbeitskollegen statt. Bart erlangt Zutritt zum gesperrten Bereich, in dem die Party steigt. Just fotografiert er seinen alten Herren, der gerade mit der Bauchtänzerin Princess Kashmir tanzt. Als Bart das Bild fotokopiert, weiß bald die ganze Stadt von Homers 'wildem Leben'. Marge entdeckt das Foto am Reißbrett ihrer Aerobic-Klasse und konfrontiert Homer damit, bevor sie ihn auf die Straße wirft. Um das Ruder rumzureißen, nimmt Homer Bart zur Bauchtänzerin mit, um ihm zu zeigen, dass Frauen mehr als nur Sexobjekte darstellen. Während der abendlichen Show kommt Homer schließlich auf die Bühne und erklärt der Zuschauermenge, was er auch Bart beigebracht hat und endet in tosendem Applaus sowie einer erneuten Versöhnung mit Marge (bereits die dritte innerhalb der Staffel!).

Meinung: Erste richtig ernste Ehekrise zwischen Homer und Marge. Bart erhält erneut eine Lektion (ein Vorgeschmack auf den moralisierenden Ton der zweiten Staffel) und sorgt davor so richtig schön für Ärger in der Stadt. Die Folge ist übersät von genialen Zitaten ("Uh-oh, it's the fe-mailman!") und bietet einfach gutes, altes Simpsons-Entertainment. Eine der besseren Folgen der Staffel, die ich abermals nur aufgrund der Storyline abwerten muss. Macht unterm Strich immer noch 8.5 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

#7G13 - The Crepes of Wrath (Tauschgeschäfte und Spione, 15.4.90)

Da Bart eine kleine Bombe in die Damentoilette der Schule gespült hat, schlägt Rektor Skinner vor, ihn für drei Monate nach Frankreich zu schicken. Im Gegenzug müssen die Simpsons auch jemanden aufnehmen, einen Gastschüler aus Albanien. Während der mit seiner Höflichkeit die Simpsons aus dem Staunen gar nicht mehr hinausbringt, muss Bart für zwei korrupte Winzer schuften. Als er losgeschickt wird, um Frostschutzmittel für den Wein zu besorgen, möchte er einem Polizisten alles erzählen. Doch der spricht kein Englisch. Bart ist wütend, dass er kein Wort Französisch gelernt hat, seit er dort ist, und, wie von Zauberhand, spricht er plötzlich fließend Französich. Er erzählt alles und die beiden Winzer werden festgenommen. Währenddessen wird der Albaner durch eine Polizeirazzia aufgespürt und verhaftet, da er Betriebsspionage im Atomkraftwerk begangen hat. Bart kehrt als Held zurück und wird von der Familie euphorisch empfangen.

Meinung: Zu Unrecht eine der weniger bekannten Folgen. Der Plot ist wirklich originell und eine willkommene Abwechslung zu den vorherigen Episoden der Staffel. Die Gags sind auch sehr gelungen (besonders Homers und Skinners Jubelstürme, als sie beschließen, dass Bart nach Frankreich geschickt wird!) und unterstreichen die Storyline erstklassig. Barts plötzliche Sprachbegabung mag zwar aufgesetzt wirken, bringt aber einen Hauch von Magie in die Folge, was sie zu einem ganz besonderen Schatz dieser Staffel macht. Ganz klar in den Top 3 der Staffel! 9 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)

#7G12 - Krusty Gets Busted (Der Clown mit der Biedermaske, 29.4.90)

Krusty der Clown ist DER Star der Kids von Springfield! Jeden Nachmittag bringt er sie mit seinen verrückten Auftritten im Fernsehen zum Lachen - doch nun wird er wegen eines Raubüberfalles verdächtigt! Bart glaubt an Krustys Unschuld und gemeinsam mit Lisa macht er sich auf die Suche, um den wahren Täter zu finden. Am Ende entpuppt sich Krustys Assistent Sideshow Bob als wahrer Täter - Bart bringt ihn vor Gericht und beweist Krustys Unschuld, Bob kommt hinter Gitter.

Meinung: Ziemlich schwache Folge. Die Handlung war zwar nicht schlecht, dennoch war sie ziemlich ermüdend und der Täter war auch irgendwie vorhersehbar. Dennoch eine nicht ganz unwesentliche Folge, da Barts Erzfeind, der später zahlreiche grandiose Auftritte hatte, hier eingeführt wird. Was mir sauer aufstößt, ist Barts ungehemmte Begeisterung für einen doch ziemlich arroganten und herablassenden Entertainer mit dem Hang zum alles dominierenden Grinsen, das auch jeden Sektor der Spielzeugindustrie eingenommen hat (siehe Barts Zimmer!) und dem man sofort die gewisse Geldgeilheit anmerkt. Ich vergebe 6.5 von 10 Punkten.

Screenshot (Copyright 20th Century FOX)


#7G01 - Some Enchanted Evening (Der Babysitter ist los, 13.5.90)

Ein Radiopsychologe (Wiedersehen mit Dr. Marvin Monroe aus Eine ganz normale Familie!) rät Marge zur Trennung von Homer, da er sie offensichtlich nicht mehr als echte Frau wahrnimmt. Homer hört die Sendung im Kraftwerk und kommt mit Blumen nach Hause, um sich mit ihr zu versöhnen. Spontan beschließen sie, in ein Liebeshotel zu fahren. Bleibt nur noch die Frage nach dem Babysitter: Keiner in der Stadt will noch irgendwas mit den Simpson-Kindern zu tun haben, deshalb müssen sie eine gewisse Ms.Botz arrangieren. Kaum sind die beiden weg, setzt sie Bart und Lisa mit einem Video der Happy Little Elves vor den Fernseher, um Maggie ins Bett zu bringen. Bart schaltet auf die Serie America's Most Armed and Dangerous um und findet somit heraus, dass Ms. Botz eine gesuchte Schwerverbrecherin ist. Während es sich Marge und Homer also im Hotel gemütlich machen, beginnt im Simpsons-Haus ein Kampf auf Leben und Tod, den die Kinder vorerst gewinnen können. Sie fliehen und rufen über ein Münztelefon die Polizei, doch inzwischen sind Marge und Homer zurückgekehrt, da Marge ein schlechtes Gefühl hatte, und Homer verhalf Ms. Botz unwissentlich zur Flucht, was er erst durch die eintreffende Polizei erfährt.

Meinung: Gelungener Abschluss der ersten Staffel. Die Handlung ist voll von Anspielungen auf diverse Filmklassiker wie Psycho und auch Die Nacht des Jägers. Homers Fehlverhalten gegen Ende sowie sein Dastehen als (laut Nachrichten) größter Idiot des ganzen Staates sorgen für ein lockeres Ende der ersten Staffel. 8.5 von 10 Punkten.

Staffelfazit:

Die erste Staffel einer Serie ist immer so eine Sache: Meistens sind weder Humor noch Konzept oder Charaktere sonderlich ausgereift und als "Quereinsteiger" fragt man sich da manchmal, wie die Serie jemals verlängert werden konnte. Die erste Staffel der Simpsons leidet zwar auch unter diesen Problemen, dennoch ist der Humor der Serie schon von Beginn an deutlich erkennbar und macht auch schon in dieser Frühphase aüßerst Spaß. Matt Groening selbst sagte einmal, sie hätten damals noch überhaupt keine Ahnung von dem gehabt, was sie taten. Offenbar braucht es die auch nicht immer, denn die Staffel ist über Teile ein wahrer Hochgenuss und schlägt einige neuere Staffeln bereits um Längen. Zudem ist gegen Ende der Staffel der anfangs krude Zeichenstil bereits ausgereift und bietet auch keinen Grund zur Beschwerde mehr. Das ergibt gesamt 8 von 10 Punkten für die erste Staffel der legendären Erfolgsserie.

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