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(Film/TV)Goood Mooorniing, Vieetnaaam!

...tönt es aus den Boxen des Fernsehers, denn anlässlich des kürzlichen Suizids des berühmten Schauspielers Robin Williams änderten einige Sender ihr Programm, darunter auch der ORF, der gestern zur "Zweiten Primetime" seinen, neben Good Will Hunting, wohl berühmtesten Film Good Morning,Vietnam ausstrahlte. Diese Gelegenheit nutzte ich gleich, um ein Stück Filmgeschichte endlich mal nachzuholen. Meine Eindrücke könnt ihr hier lesen.


1965: Der DJ Adrian Cronauer wird nach Vietnam geholt, um von Saigon aus für die US Army im Radio zu moderieren. Mit seiner unkonventionellen Art macht er sich in den Wirren des Krieges bald Feinde, da seine Sendung "zu ausgeflippt" und überhaupt "unlustig" sei. In der Tat werden US-Prominente jeder Art parodiert und bloßgestellt, doch die Truppen da draußen lieben ihn und können es gar nicht erwarten, bis er sich allmorgens wieder meldet. Als er sich in eine Vietnamesin verliebt, tut er alles, um an sie heranzukommen, er besticht schließlich ihren Sprachlehrer, um den Englischunterricht zu übernehmen. Über den Bruder der Frau, der ebenfalls den Kurs besucht und mit dem Cronauer langsam eine Freundschaft aufbaut, kommt er immer mehr an sie heran und erfährt gleichzeitig, wie schlimm die Lage im Vietnam wirklich ist. Eines Tages wird das Cafe des Asiaten Jimmy Wah in die Luft gesprengt, Cronauer entkommt nur knapp. Die Army schwört, zu schweigen, doch Cronauer berichtet schließlich über das Attentat und wird daraufhin "beurlaubt", während der intregante Lieutenant Steven Hauk, der sich selbst für den allergrößten Komiker hält, die Sendung übernimmt. Cronauer verbringt die gewonnene Freizeit nun unter anderem bei der Familie der Vietnamesin, während ihm das Grauen des Krieges immer schmerzlicher bewusst wird. Zurück in Saigon wird seine Sendung wieder feigegeben, da die Soldaten sich nur mehr über Hauks Programm beschweren. Cronauer möchte nicht mehr moderieren, erst ein Truppentransporter voller Soldaten, die große Fans seiner Sendung sind, kann er umgestimmt werden und beginnt wieder zu moderieren. Als er Soldaten an der Front interviewen soll, werden er und sein Begleiter Edward Garlick, ebenfalls beim Radio der Army tätig, vom befehlshabenden Seargeant absichtlich in Vietcong-Gebiet geschickt, in der Hoffnung, sie nun endgültig loszuwerden. Sie werden von einer Landmine überrascht, überleben jedoch und werden bald darauf vom Bruder der Vietnamesin gefunden, mit einem Hubschrauber gelingt ihnen die Rückkehr nach Saigon. Cronauer wird jedoch vom Dienst suspendiert, da der Vietnamese, der mit Ihnen im Hubschrauber war, ein Vietcong-Terrorist sein soll. Cronauer verabschiedet sich wehmütig von allen, einschließlich seiner Konversationsklasse, und fliegt wieder in die Vereinigten Staaten zurück, während sein Abschiedstonband von Garlick ausgestrahlt wird.

Good Morning, Vietnam ist in vielerlei Hinsicht ein aufrüttelnder und atmosphärisch dichter Film mit einer erstklassigen Besetzung, die einem wirklich das Gefühl vermittelt, vom Krieg gezeichnet zu sein. Die Rahmenhandlung um einen Radiomoderator der US Army schafft es, von der ersten bis zur letzten Minute mitzureißen und auch die vielen kleinen Nebenhandlungen tragen zur dichten Kriegsatmosphäre gekonnt bei, wie zum Beispiel die Konservationsklasse, die sehnsüchtig auf ihr allererstes Softballspiel mit Cronauer wartet oder die Sticheleien der Army im Quartier von Saigon, hier stimmt wirklich alles. Auch kleine Details, wie die (damals brandneue) Beatles-Platte Help! in Cronauers Radiostudio und die alten Single-Plattenspieler geben das Gefühl, mittendrin zu sein. Unvergessliche Momente, etwa, als Louis Armstongs What a Wonderful World läuft, unterlegt von Bildern blutender Kinder und gigantischer Explosionen, brennen sich im Gehirn ein und lassen diesen Film auch nicht so schnell wieder vergessen. Die Zensur der US Army sowie die Art und Weise, wie mit Cronauer umgegangen wird, sorgen für Unverständnis und Ärger, ja blanken Zorn über das, was dort unten im Vietnam abgezogen wurde, können auch auf der emotionalen Seite bestens bedienen und ziehen einen noch mehr in den Bann des Films, der eine unerbittliche Kraft entwickelt, der man sich nicht mehr entziehen kann, bis schließlich Cronauer suspendiert wird, was schon für sich selbst spricht. Der Film wurde bereits 1987 gedreht und dennoch zeigt er eigentlich schon zeitlos "Wer gegen das System ankämpft, selbständig denkt und handelt, kann letztendlich nur verlieren". Adrian Cronauer symbolisiert einen Mann, der mit blankem Widerstand und schwärzestem Humor versucht, den Krieg für sich und andere erträglicher zu machen, wobei auch er irgendwann an seine Grenzen stößt, als er  schließlich beim Verlesen der Attentatsmeldung auf Sendung in Tränen ausbricht. Und während die Vorgesetzten weiterhin ihre Scharade abziehen, wird er ins Heimatland geschickt, von wo aus er nicht mehr gefährlich werden kann. Ein in seiner Aussage und Inszenierung zeitlos unvergesslicher Film mit absolut genialer Besetzung vor der düsteren Kulisse eines der schlimmsten Kriege der Geschichte. 
R.I.P. Robin Williams.


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