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Kate Bush - Lionheart

EMI/Kate Bush
Hört es jemals auf? Das werden sich einige regulars dieses Blogs vielleicht langsam fragen, aber ich kann nicht anders - ich höre zu gern Kate Bush, als dass ich nicht über ihre wunderbare Musik schreiben könnte. Und heute befasse ich mich mit ihrem zweiten Album Lionheart, kurz nach dem Erstling (den ich bereits rezensiert habe) erschienen und von Kritik sowie der Meisterin herself seitdem harsch kritisiert. Zurecht?

Der Einstieg ist ja schon mal vielversprechend: mit Symphony In Blue als Opener konnte Bush eigentlich nichts falsch machen - die Musik ist gewohnt sanft, der Text leicht geheimnisvoll irgendwo zwischen Sex (the root of our reincarnations) und plötzlichem Panikverlust (for now I know that I'm needed for the symphony) und der Vortrag für die Anfänge der Musikerin gewohnt bezaubernd. Weitere absolute Höhepunkte, die besonders festzuhalten sind, sind auf alle Fälle einmal Wow und Kashka From Baghdad - ersteres mit seiner Synthie-Spielerei im Intro und den dramatisch aufbauenden Strophen dürfte einer der wenigen Songs von Kate Bush sein, die mich wirklich bei jedem Anhören verdammt nah ans Weinen bringen und ich kann nicht erklären, wieso dem so ist, denn eigentlich ist der Text sogar auf böse, böse Art ziemlich lustig (he's too busy hitting the vaseline), aber irgendetwas an dem verdammt dramatischen Refrain und der ganzen Atmosphäre des Songs macht mich jedes Mal ziemlich traurig. Mit Sicherheit ein großer Höhepunkt dieses Albums. Ein weiterer wäre eben Kashka From Baghdad, die orientalische Instrumentierung, die einen Text um das Zusammenleben zweier Homosexueller beherbergt (1978 nicht so selbstverständlich wie heutzutage), ist einfach mehr als nur "gewöhnliches" schön, das Lied ist einfach nur... wow! Zutiefst beeindruckend wirken die feinen Nuancen im Klang, welche das Lied veredeln und es zu einer wirklich, wirklich toll erzählten lyrischen Geschichte aufwerten. Und allein schon für die Zeile when all the alley-cats come out I can hear music from Kashka's house könnte ich auf die Knie gehen.

EMI
Dann wäre da auch noch die Liebeserklärung Oh England my Lionheart hervorzuheben, die besonders mir als einer von vielen England-Fans direkt aus der Seele spricht: You read me Shakespeare on the rolling Thames, that old river poet that never, never ends... ja, man möchte nicht mehr aus England weg, wie wahr... hach ja. Bemerkenswert ist hier auch eine fast nicht vorhandene instrumentale Begleitung, die dominante Kraft ist mehr als nur eindeutig die Stimme Bushs, die natürlich noch sehr hoch angesiedelt ist, aber im Gegensatz zu manch anderen Liedern, welche durch eine dunklere Klangfärbung noch an Eindruck gewonnen hätten (Wuthering Heights etwa, welches 1986 von Kate Bush selbst neu aufgenommen wurde), hier ganz einfach den entscheidenden Touch hergibt - es passt einfach zum Text und Zweck des Liedes ganz wundervoll. Ebenfalls ist Hammer Horror ein wunderbar funktionierender Ohrwurm, der seine Zeit braucht aber dann ganz sicher nicht so schnell wieder aus dem Kopf verschwindet. Alles also im mehr als grünen Bereich soweit. Doch zwischen all diesen Highlights gibt es... ach, auch noch die anderen fünf Songs. Diese sind allesamt für sich genommen gut bis sehr gut, alle auch sehr schön, doch leider, leider werden sie von ähnlichen Problemen geplagt wie das wenige Monate zuvor erschienene Debut: sie klingen alle verdammt ähnlich. Schön, aber sehr ähnlich. Bis auf Kates erste Deutschversuche am Ende von Coffee Homeground gibt es auf dem restlichen Album (immerhin auch noch fünf Songs) relativ wenig Ecken und Kanten, anhand derer man es wirklich vom Rest unterscheiden könnte - der einmalige Sound einer Großtat wie The Dreaming fehlt hier einfach. Man merkt, dass die junge, damals 19-jährige Kate Bush die Stücke für Lionheart unter immensem Zeitdruck schreiben musste und sie damit einfach nicht so bravourös zurechtkam. Was rauskam, ist ein tolles Album, aber keines, das so gut ist, wie es hätte sein können, wäre es beispielsweise ein Jahr später erschienen. Denn wenn diese Frau eines wirklich braucht, dann ist es (neben Privatsphäre) vor allem Zeit und das merkt man: zwischen ihren Alben können schon einmal drei, vier oder sogar zwölf Jahre liegen - dafür sind die veröffentlichten Werke allesamt von höchstem Niveau. Lionheart ist ein sehr gutes Album - gemessen am Output der Künstlerin ist es im Rückblick jedoch "nur" gut bis sehr gut, keineswegs brillant. Und so vergebe ich mit Fan-Bonus (und weil ich Wow so liebe) 4 von 5 Punkten für Lionheart.

EMI/Kate Bush

Kommentare

  1. :-)

    Kate Bush ist doch cool! Ich bin sicher, man verzeiht dir gerne. Aber ein BRILLIANT könnte sie sich zumindest von mir abholen. Übrigens, Stichwort Zeitdruck...vielleicht hat man da einfach noch nicht den Mut, einfach auch mal nein zu sagen ;-) Immerhin, so schreibst du selbst, war sie da noch sehr jung. Da hat man nach Meinung von Management und Co eben keine Zeit zu verlieren... nimmt man sich diese Zeit doch, bekommt man einen speziellen Ruf...

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