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Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

The latest party is never far: David Bowie - "Diamond Dogs"

Wie kommt man auf die Idee, Orwells 1984 zu einem Musical umzuschreiben, komplett mit einem Hammer-Titellied und einer Menge Glanz und Glam? Sowas konnte man sich nur in den Siebzigern ausdenken - einem Jahrzehnt, das die Freude am Untergang und an Drogen aller Art so schillernd zelebrierte wie kaum ein anderes.

Das Musical sollte niemals aufgeführt werden - Orwells Witwe verweigerte dem Kopf hinter dem Projekt die Zustimmung. Dieser Kopf hieß David Bowie. Und der machte aus seinen Ideen kurzerhand ein neues Album unter dem Titel Diamond Dogs, eine musikalische Dystopie, die - angereichert mit einer Menge Anspielungen und höchst dekadent tönenden Passagen - den Weg Bowies weg vom Glam hin zu Funk und Soul ebnen sollte. Nur, macht diese Reise auch beim Zuhören Spaß?

Am Anfang war das Wort - zumindest hier. Diamond Dogs dürfte das einzige Bowie-Album mit einer gesprochenen Einleitung sein und selbige mit dem Titel Future Legend erzählt gleich ganz schaurig von der postapokalyptischen Sze…

Erste Allgemeine Verunsicherung - À la Carte

Soviel kann ich sagen: es gibt einen nicht unwesentlichen Teil von mir, der hört nun mal mit Vorliebe Musik aus der Heimat, sprich: aus Österreich. Über ein Album, das ich mit Sicherheit öfter gehört habe als alle anderen - ungelogen.

Die Erste Allgemeine Verunsicherung, kurz EAV genannt, steht spätestens seit 1985 - dem Jahr, in dem ihr fünftes Album Geld oder Leben heimische Chartrekorde sprengte und gleich fünf Megahits stellte - für eine Musik mit Augenzwinkern, für Satire gemischt mit herrlich depperter Blödelei, vorgetragen in einem höchst charmanten steirischen Dialekt. Kurzum, eben eine echte österreichische Institution. Im Vorjahr, dem Orwell-Jahr 1984, befand sich die Gruppe noch im Aufwind, der sie kurz darauf zu Superstars in der Heimat machen sollte: der dritte Longplayer Spitalo Fatalo hatte das Gespann um Thomas Spitzer und Klaus Eberhartinger im Sommer 1983 erstmals in die Charts gehievt und im Anschluss entstanden eine Menge Songs für Konzerte, Singles und dergleichen.…

Bonnie & Clyde (1967) - Eine Revolution des Kinos, Sinnbild eines Volkes im Umbruch

Wir befinden uns gerade in einer konservativen Revolution: Mitte-Rechts-Parteien sind in der Europäischen Union salonfähig geworden, die Rechte Einzelner werden schon einmal großzügig übergangen, Pressefreiheit und Demokratie stehen auf dem Prüfstand einer Bevölkerung, die sich zwischen zwei Extremen zu orientieren versucht und aus allen Richtungen mit der Wahrheit zwangsbeglückt wird. All das gab es - so erzählt man sich - vor fünfzig Jahren auch schon in umgekehrter Richtung: liberale Werte von der Gleichberechtigung, vom Streben nach der ganz persönlichen Freiheit und vom Ausbrechen aus bürgerlichen Konventionen durchdrangen allmählich erzkonservative Gesellschaften und besonders in der BRD, den USA und Großbritannien kam es oft genug zu Ausschreitungen zwischen dem "Establishment" undden Vertretern der neuen Geistesströmungen, durch welche die Bevölkerung sich ebenfalls in zwei Fronten teilte. Dieser radikale Geist der Revolution durchdrang während der 60er-Jahre natürli…

Umleitung (1945)

Das Leben ist so eine Sache - mal eine einzige Ekstase, mal ein einziger, gigantischer Alptraum. Das Genre des film noir befasste sich bevorzugt mit letzterem - den dunklen Abgründen menschlicher Existenz, mit den Schatten des Unbewussten, die Menschen verschlingen und zu abgrundtief bösartigen Subjekten werden lassen können...

Ein ganz besonders zynischer Vertreter dieser Gattung ist der 1945 gedrehte Low-Budget-Film Detour (Umleitung) von Regisseur Edgar G. Ulmer. Der Protagonist, ein erfolgloser Pianist namens Al, vertritt die Auffassung That's life. Whichever way you turn, fate sticks out a foot to trip you.  Al ist ein simpel gestrickter, vom Pech verfolgter Fatalist. Seine einzige Hoffnung: die Liebe. Doch als seine Verlobte Sue ihm eines Abends eröffnet, sie gehe nach Hollywood, um dort ihr Glück zu versuchen, kommt Al auch noch dieses kleine Glück abhanden. Von einem großzügigen Trinkgeld animiert, beschließt er, von New York nach Hollywood zu trampen, um seine Geliebte wie…

The Lady in the Car with Glasses and a Gun (2015)

 Draußen regnet es gerade in Strömen, und während einige schon im verdienten Sommerurlaub sind, wäre ich ebenfalls am liebsten irgendwo am Strand, idealerweise in Südfrankreich. Wenn das schon in real life gerade eher schwierig wird, dann kann man sich doch zumindest mit dem richtigen Filmchen geistig an die Côte d'Azur treiben lassen...

Die Sekretärin Dany führt in einem Pariser Vorort Anfang der 70er ein eher braves Leben: frühmorgens geht's zur Arbeit, abends nach Hause an die Schreibmaschine - dazwischen hat sie so gut wie keine Zeit für eigene Interessen und Leidenschaften. Eines Abends nimmt sie einen denkbar unspektakulären Auftrag von ihrem Chef Michel an: während dieser mit seiner Frau Anita ausgeht, soll Dany über Nacht in Michels Haus ein Projekt für eine wichtige Konferenz fertig machen. Und während draußen der Regen in dicken Tropfen auf das Dach prasselt, tippt Dany bis spät in die Nacht an dem Projekt. Des morgens bittet Michel sie, ihn und seine Frau mit seinem …

Der Junge und sein Hund (1975)

Es ist doch so: die Liebe eines Hundes zu seinem Menschen (und vice versa) dürfte wohl zweifelsfrei zu den reinsten und langanhaltendsten gehören, die man kennt. Nicht umsonst sagt man auch, der Hund sei der beste Freund des Menschen. Was aber, wenn sich beide in einer vom Atomkrieg zerstörten Welt wiederfinden und Tag ein, Tag aus auf der verzweifelten Suche nach Nahrung sind? 

Dieses Szenario ist der Ausgangspunkt der postapokalyptischen schwarzen Komödie A Boy and His Dog, auf deutsch: Der Junge und sein Hund. 1975 inszenierte Regisseur L.Q. Jones den Streifen nach einer Novelle von Harlan Ellison.

Der Film spielt im Jahr 2024: in einer alternativen Zeitlinie tobte von 1960 bis 1983 der Dritte Weltkrieg zwischen den USA und der Sowjetunion, dem 2007 der 4. folgte - seitdem sind weite Teile der Vereinigten Staaten verseuchtes Ödland, Nahrung und sauberes Wasser ebenso Mangelware wie Frauen. Die Folge: langsam aber sicher stirbt die Bevölkerung aus. Mitten in diesen düsteren Zustände…

Die Klasse von 1984 (1982)

A Clockwork Orange meets Death Wish meets What the actual fuck!?Die Klasse von 1984 ist wirklich ein ganz besonderes Schätzchen unter den abenteuerlichen Dystopien der späten 70er und frühen 80er - warum man an Schulen nur noch mit Schusswaffen unterrichten kann, wie viel Koks eigentlich so auf Highschool-Klos vertickt wird und was das alles mit einem extrem schlechten Haarschnitt von Michael J. Fox zu tun hat, erfahrt ihr hier und heute: viel Vergnügen.


Idealistische Lehrer, die für ihr Fach Feuer und Flamme sind und bei deren Erscheinen die gesamte Klasse auf den Tisch steigt, die Hand aufs Herz legt und oh captain, my captain... intoniert? Richtig: nett anzuhören und wunderbar anzusehen, nur leider enorm realitätsfremd. Idealistische Lehre, die für ihr Fach Feuer und Flamme sind und bei deren Erscheinen Papierkugeln und Stühle durch die Gegend fliegen, während ein glatzköpfiger Kampfkoloss von einem Schüler bereits sein Messer wetzt? Hmm... vielleicht schon eher. Glaubt man zumindes…

Bruce Springsteen - Born in the U.S.A.

Der Untergang eines Traums und der Aufstieg eines Stars...

Eine größere stilistische Kehrtwende hätte man 1984 wohl nicht für möglich gehalten: Bruce Springsteen und die E Street Band spielen Arena Rock - eingängige Riffs und Mitsing-Refrains, die ganze Stadien zum Kochen bringen. Zwei Jahre nach Nebraska, vier Jahre nach The River. Beides Platten, die - wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise - eher den ruhigen Tönen gehören, mal in Gestalt eines eineinhalbstündigen Abgesanges auf das American Heartland und seine verlorenen Existenzen, dann wieder als vierzigminütige Lo-Fi-Session, die zwischendurch auch wieder so etwas wie Hoffnung erahnen lässt. Von beidem grenzt sich Springsteen auf dem insgesamt siebten Longplayer seiner Karriere deutlich ab und öffnet intimen Gefühlen Tür und Tor.

Fairerweise muss ich vorweg gleich anmerken: einige der insgesamt 12 Songs aus Born in the U.S.A. gehören dann doch noch zum Vorgänger Nebraska. Der Titeltrack beispielsweise, der die Platte eröffne…

Duran Duran - Rio

Der Frühling geht fast augenblicklich in den Sommer über... mehr muss ich gar nicht wissen, um diese Platte zu rezensieren ;)

Das letzte Mal, als ich Duran Duran hier ins Rampenlicht geholt habe, hatten wir tiefsten Winter - es war kalt, meine Laune sowieso auf dem Tiefpunkt und müde war ich außerdem. Kein Wunder, dass die düsteren Synthesizer von Seven and the Ragged Tiger da gut ins Bild gepasst haben. Fast ein halbes Jahr später kratzt das Wetter in meiner Umgebung an der 30-Grad-Marke, die Sonne strahlt vom fast wolkenlosen Himmel und während ich meine freie Zeit zum Sonnen nutze, mache ich mich nebenbei daran, meinen Soundtrack für dieses Hochsommerwetter zu rezensieren.

Rio, das ist uns vor allem als Kurzform der brasilianischen Stadt Rio de Janeiro geläufig, ehemals Hauptstadt des Vereinigten Königreiches von Portugal und Brasilien sowie Heimat des legendären Karnevals, der Copacabana und einer ziemlich hohen Christusstatue. Doch 1982, in dem Jahr, in welchem Helmut Kohl in Deuts…

100 Jahre Medienkiste - Miami Vice

Ein Meilenstein, sensationell, atemberaubend - all das und noch viel mehr ist die Tatsache, in diesem Moment meinen einhundertsten Post für die Medienkiste zu verfassen, vielleicht (noch) nicht. Aber dieser kleine Meilenstein verlangt nichts desto trotz nach einem besonderen Thema. Und wenn mein erster Post vor mittlerweile fast vier Jahren mit einer Besprechung der ersten Staffel der Simpsons bereits ein Terrain beschritt, vor welchem mir ansonsten graut - das der Serienbesprechung nämlich, welches sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und meistens ohnehin für die Fisch' ist - dann ist der 100. Post doch die perfekte Gelegenheit, wieder genau dorthin zurückzukehren. Das gefällt schließlich auch den Flamingos...

Dass ich die 1980er, jenes Jahrzehnt des grenzenlosen Hedonismus, der Synthesizer und der Ray-Ban-Sonnenbrillen einfach unfassbar gern habe, muss hier nicht nochmals erwähnt werden - ein Blick in meine Kate Bush-Rezensionen genügt. Die Verklärung eines Jahrzehnts, das neben all …