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Es werden Posts vom April, 2018 angezeigt.

Die Fantastischen Vier - Lauschgift

Kommt schon, das musste nach der RHP-Rezension einfach sein. Und außerdem: Lauschgift war mit Sicherheit das erste Album, das ich in meiner Leidenschaft als Musikhörer im Kindergartenalter von vorne nach hinten durchgehört habe. Bedenklich? Vielleicht - doch viel eher einfach geil. Wir hatten das ja bereits - das Rödelheim Hartreim Projekt diente den Fantastischen Vier primär als Anheizer, zurück ins Studio zu verschwinden und den insgesamt vierten Longplayer einzuspielen. Am 11. September 1995 schließlich hauen die vier Stuttgarter Jungs mit Lauschgift die klare Antwort auf Direkt aus Rödelheim raus und entdecken gleichzeitig eine neue Tiefe für ihre Musik, welche in dieser Form leider nie wieder auf einem F4-Album zu finden sein würde. Das Ergebnis - höchst interessant und in vielerlei Hinsicht revolutionär im deutschen Hip Hop. Aber lest selbst...

Filmkenner haben es bereits geahnt: der Albumtitel wurde kurzerhand  bei Frühstück bei Tiffany geliehen, ebenso das Intro, nach dem mit

Rödelheim Hartreim Projekt - Direkt aus Rödelheim

Während 1994 in den USA Snoop Dogg, Dr. Dre und der Wu Tang Clan mit ihrem harten Rap von der Straße schon längst den Ton der Hip-Hop-Charts angeben, hinkt der deutschsprachige Raum zur selben Zeit gehörig hinterher - bis auf die Fantastischen Vier gibt es so gut wie keine deutschen Rapper, die landesweit bekannt sind. Und die Gruppe aus Stuttgart geht das Ganze auch eher spaßig an - harter Rap so gut wie Fehlanzeige.

Das stößt besonders dem Frankfurter Musiker Moses Pelham sauer auf, der nach mehreren gescheiterten Bandprojekten 1993 das Label 3p gründet, auf dem unter anderem Xavier Naidoo und Sabrina "Schweter S." Setlur ihre ersten Veröffentlichungen releasen werden. Gemeinsam mit dem gleichartig von Hip Hop begeisterten Thomas Hofmann gründet Pelham im selben Jahr das Rödelheim Hartreim Projekt, das sich den Kampf gegen den poppigen "Sprechgesang" der Fantastichen Vier auf die Fahnen schreibt und das Flair des oft skandalumwitterten Gangsta Rap aus den Vereinig…

War - The World Is A Ghetto

Brütende Hitze, grelles Sonnenlicht und wolkenfreier Himmel - der Frühling ist jetzt endgültig da. Das verlangt nach dem richtigen Soundtrack, mit dem man so richtig entspannt Sonne tanken und trotzdem geistig gefordert werden kann.

War waren eine wahrhaftig Grenzen sprengende Gruppe: bereits in den frühen 60ern trafen sich die Musiker mit afro- und lateinamerikanischem Background in Los Angeles. Da sich die Einflüsse aus traditionell eher schwarzen Musikrichtungen wie Jazz und Blues erstklassig mit dem Latino-Sound der damaligen Zeit kombinieren ließen, war die Idee, gemeinsam Musik zu machen, natürlich naheliegend. 1970 veröffentlichte man schließlich gemeinsam mit Animals-Frontmann Eric Burdon das ambitionierte, aber noch etwas kraftlose Debut Eric Burdon Declares War, bald darauf folgte mit The Black Man's Burdon ein ähnlich zahnloser Zweitling. Nachdem Eric Burdon das Kollektiv 1971 verlassen hatte, wurden die Platten von Mal zu Mal besser - noch im selben Jahr folgten mit War

Public Enemy - Fear of a Black Planet

Wer kennt es nicht: da wandert eine CD in die Sammlung, nur um nach einem Durchlauf als ganz ok abgestempelt zu werden und im Regal zu verschwinden, um Staub anzusetzen? Mir ist's bei Fear of a Black Planet von Public Enemy so ergangen (eigentlich bei fast allen Hip Hop-Alben, die ich jemals gekauft habe) und als ich die Scheibe dieser Tage mal wieder in den Händel hielt, da hab ich mir ein Glas Whiskey geschnappt, mich in die Frühlingssonne gesetzt und die Anlage aufgedreht - Zeit für eine Neubetrachtung.

Public Enemy - dieser Bandname steht wie kaum ein zweiter für Konfrontation, für heftige Kontroversen und einen eindeutigen Hang zum Extremen. Das machte bereits die Vorgängeralben Yo! Bum Rush the Show und im Speziellen It Takes A Nation of Millions to Hold us Back zu groß angelegten Skandalen, zum Stoff zahlreicher öffentlicher Debatten in den USA, in deren Zuge zum Einen die Rassismusprobleme des "freiesten Landes der Welt", andererseits aber auch problematische Ges…

Grossstadtgeflüster - Episode 1: Fickt-Euch-Allee

Irgendwann reicht's einem einfach, oder? Geht allen so. Die Berliner Band Grossstadtgeflüster hat sich das 2015 ebenfalls gedacht und ein Mini-Album veröffentlicht, das der No fucks given-Attitude früher Punkbands zur Ehre gereicht - und selbst mich als Rock-Hörer für 20 Minuten von Electronic Pop überzeugen kann.

Das Titellied gibt als Opener natürlich gleich den Ton der fünf Stücke an: Sängerin und Gründungsmitglied Jen Bender könnte es kaum weniger interessieren, was ihre Umwelt tut, denkt, sagt, etc. Bei den geschilderten Personentypen scheint der Urlaub in den Misanthropen die einzige Möglichkeit zu sein, seine wohlverdiente Ruhe zu bekommen und sich in einem göttlichen Ohrwurm-Refrain erster Güte einfach mal selbst zu feiern. Selten klang Menschenhass geiler (eigentlich nie). Und auch wenn manche der Wortspiele im Text eher zweckdienlich sind (besonders die lang gezogenen i-Laute, die eher nach Wien als nach Berlin klingen, stören etwas), die Musik, die sich Grossstadtgeflüs…

Ash My Love - Money

Money, it's a gas - das wussten schon Pink Floyd, die sich auf dem steten Weg in die jahrzehntelange Selbstverliebtheit Roger Waters' auch über das liebe Geld ausließen. Oktober 2017: der zweite Longplayer der auf der Medienkiste schon des Öfteren besprochenen Ash My Love erscheint, was für viele Fans (und auch für mich) naturgemäß ein Ereignis darstellt. Der Titel, so knapp wie programmatisch: Money. Aus persönlichen Gründen konnte ich mich nie genauer mit der Platte befassen, nun ist es endlich soweit und ich wünsche euch viel Vergnügen in den oft dreckigen, staubtrockenen Soundwelten der Wiener Delta-Rocker.

Es ist doch so: Geld ist eines dieser Konzepte, ohne die die Welt eine gänzlich andere, vielleicht bessere, auf jeden Fall eine vollkommen andere wäre. Etwas, wovon man sich oft erlöst wünscht, aber in den entscheidenen Momenten eben doch mehr als gut gebrauchen kann. Für Gläubige also ein bisschen wie Religion - diesen Bogen spannen Ash My Love gleich auf dem Opener Go…

Amy Winehouse - Back to Black

Als ich heute Nachmittag durch die Stadt in Richtung Uni spaziert bin, habe ich auf meinem Handy, irgendwo zwischen Springsteen und vereinzelten Hip-Hop-Platten, eine alte Liebe wiederentdeckt: dunkelblauer Hintergrund, eine auffällige Titelaufschrift und in der Mitte von alldem eine zierliche, dafür umso auffälligere junge Frau Anfang 20: Amy Winehouse. Und der Impuls, sich nach Jahren einmal wieder Back to Black, das zweite und letzte zu Lebzeiten der britischen Sängerin erschienene Album, anzuhören, ist es, der mich jetzt dazu bringt, ein paar Zeilen über ein ganz und gar einmaliges Spektakel, mit dessen einzelnen Songs ich viele Erinnerungen verbinde, und seine ebenso einmalige Interpretin zu verfassen.

Diese Liebe zur Musik von Amy Winehouse begann glaube ich im Sommer 2004. Damals, ihr Debut Frank war im Herbst des Vorjahres erschienen und meine Wenigkeit gerade fünf Jahre alt, kaufte irgendwer aus meiner Familie eine Ausgabe der Freundin, was damals des Öfteren vorkam. Dieser A…

Blue Velvet (1986)

Die Grenzen zwischen den Bewusstseinsebenen des Menschen, zwischen Alltag und Abgrund, sind fließend. Und was Regielegende David Lynch spätestens mit Twin Peaks auf die Spitze trieb, wird bereits in seinem filmischen Durchbruch Blue Velvet von 1986 zum Spiegel, in dem sich eine ganze Nation, vielleicht die ganze Menschheit wiederfinden und betrachten kann. Ein Film über das Unbewusste, das Animalische, den Abgrund des Lebens in einer scheinbar zivilisierten Welt.


Weiße Zäune, rote Rosen, fröhlich winkende Feuerwehrmänner und strahlender Sonnenschein: Lumberton, North Carolina ist eine typisch amerikanische, spießige Kleinstadt. Dass damit etwas gehörig nicht stimmt, wird dem zynischen Zuschauer ohnehin schon in der allzu idyllischen Eröffnungssequenz klar, in der sich der junge Collegestudent Jeffrey auf den Weg zu seinem Vater, der im Krankenhaus liegt, macht. Der naive, stets gut aufgelegte Jeffrey hat genauso wenig Ahnung von den bevorstehenden Ereignissen wie das Publikum, viellei…

Dire Straits - Dire Straits

There will be sunshine after rain... ja, dieses Zitat aus dem Dire Straits-Klassiker Why Worry scheint direkt aus dem Leben der Band um Gitarren-Maestro Mark Knopfler gegriffen. Wer hätte 1977, als sich die Gruppe den Namen Dire Straits wegen ihrer... nun ja, dire straits, also sinngemäß finanziell höchst angespannten Lage, gab, auch ahnen können, dass man nur ein Jahr später bereits weltweiten Ruhm genießen würde? Und das vor allem wegen eines Titels, der damals gerade mal so als Demotape im Untergrund von London ein Schattendasein führte - wegen eines gewissen Songs namens Sultans of Swing...
Und wie das Leben so spielt, fanden sich die Dire Straits plötzlich mit einem Plattenvertrag bei Vertigo wieder - dem britischen Vertrieb von bedeutenden Künstlern wie Manfred Mann, Kraftwerk und Black Sabbath. Im Frühjahr 1978 wurde das Debut der Band, das schlicht den Namen der Gruppe trug, in Notting Hill eingespielt, ehe es im darauffolgenden Herbst erschien. In einer Zeit, in der der Punk s…

Phil Collins - No Jacket Required

 Als ich gestern Ed Sheerans Coverversion von Elton Johns Candle in the Wind ertragen musste, wurde mir schlagartig bewusst, wie sich wohl viele MusikhörerInnen in den Achtzigern fühlen mussten, als Phil Collins ähnlich dauerpräsent war  wie der womöglich langweiligste Rotschopf der Musikgeschichte.


Diese Phil Collins-Manie zeichnete sich wohl schon durch In the Air Tonight und den unglaublichen Erfolg der Genesis-Platte Genesis mit ihrem Überhit Mama ab. Es folgten Kollaborationen mit Earth, Wind & Fire, Soundtracks (Against All Odds), irgendwo dazwischen fand auch noch ein Supremes-Cover Platz (You Can't Hurry Love) - doch zum globalen Superstar sollte der Brite erst mit seinem insgesamt dritten Soloalbum werden: 1985 erschienen, katapultierte No Jacket Required seinen Protagonisten in die oberste Riege der Prominenz, ließ ihn bei Miami Vice als unsauberen Gameshow-Moderator auftreten - zu jener kurzen Zeit, da Miami Vice die einflussreichste Fernsehserie des Planeten war - …

Bruce Springsteen - Nebraska

Born to Run. Darkness on the Edge of Town. Born in the U.S.A. So ziemlich jeder, der auf diesem Blog vorbeikommt, wird mit diesen Bruce Springsteen-Platten schon irgendwann einmal kollidiert sein. Diese drei Alben des Boss haben Musikgeschichte geschrieben, und ihre Erzählungen vom ländlichen Amerika, das zwischen Vietnam-Trauma und der verzweifelten Hoffnung auf die Erfüllung des längst obsoleten american dream nach seiner Identität sucht, haben sich in das kollektive Gedächtnis von Abermillionen Hörerinnen und Hörern weltweit eingebrannt. 

1982 - zwei Jahre nach dem Megaseller The River und zwei Jahre vor Born in the U.S.A. - ist die Musikszene zwischen den Erinnerungen an alte, vielleicht noch leichtere Zeiten und der Bewunderung des Neuen hin-und hergerissen. Simon & Garfunkels ungemein erfolgreiches The Concert in Central Park beschwört den freiheitssuchenden Folk-Geist der späten 60er-Jahre wieder, während Duran Duran mit Rio und seinen Schwärmereien von unwahrscheinlich schö…