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The Doors - The Doors

Cover-Scan (Copyright The Doors/Elektra)

Nach meinen gestrigen Ausflügen in die Gefilde des Metal komme ich heute zu einem für meinen Musikgeschmack fast schon wieder "typischeren" Album, dem ich wohl ähnliche Superlativen wie dem gestrigen Megadeth-Album zusprechen muss: The Doors aus dem Jahr des "Summer of Love" 1967. Doch gar so idealistisch und optimistisch gab sich die Band um Ausnahmesänger Jim Morrison weder hier noch auf den späteren Platten der Band. Und trotzdem - es passt wunderbar in seine Zeit...

Dieses Album als schieres "Album" passiv zu hören, fällt mehr als nur schwer. Die Klangwelten, die Organist und Bassist Ray Manzarek, Gitarrist Robby Krieger, Drummer John Densmore und allen voran natürlich DER grandiose, ob seiner Stimmkraft oder seiner lyrischen Poesie auf ewig unsterbliche Sänger Jim Morrison auf "gerade mal" 40 Minuten Spieldauer entwerfen, sind um vielfaches reifer und einfach besser als der restliche musikalische Output der 1960er-Jahre (damit meine ich dich, Sgt. Pepper!), höchstens noch mit der Vielfalt des White Album der Beatles vergleichbar.

Eines der Highlights der Platte stellt erneut der Opener dar: Break on Through (to the other side), ein erinnerungsschwangerer Aufruf, die wide open gates ins Jenseits zu durchschreiten, untermalt mit einer Uptempo-Instrumentierung und einem ungemein eingängigen Refrain, bei dem bereits das Vokalgenie Morrisons zum Ausdruck kommt (wenngleich es in anderen Stücken der Platte noch viel deutlicher hervortritt). Weiter geht es mit Soul Kitchen, dessen Orgeleinleitung wohl so ziemlich jedem Erdbürger aus dem Film Forrest Gump bekannt sein dürfte. Morrisons Gesang klingt hier bereits stark verfremdet, besser gesagt, losgelöst und vom Zuhörer isoliert, wobei er stimmlich hier seine stärksten Momente hat. Er singt hier möglicherweise eine Hommage an ein Restaurant, welches er damals wohl gerne besuchte, wahrscheinlich wäre auch ein Lied an eine Geliebte, bei der er Zeit und Raum vollends vergessen kann. Weiter geht es mit einem weiteren Liebeslied, diesmal nach der Trennung (The time you ran was too insane/We'll meet again, we'll meet again). Ein kurzes Lied, welches auf der Platte unverdient etwas untergeht, ähnlich wie auch das folgende 20th Century Fox, wenngleich Morrisons Gesang hier wieder Fahrt aufnimmt, bevor er in den beiden besten Stücken der ersten Seite kulminiert: Zunächst der ursprünglich von Bertolt Brecht verfasste Alabama Song, dessen Refrain (show me the way to the next whisky bar/oh, don't ask why... oh, don't ask why) bis heute sehr gerne unter entsprechendem Einfluss intoniert wird. Der trockene Gesang Morrisons hebt den Song in unendliche Sphären, die ihn zu einem der besten der Banddiskographie machen. Als nächstes folgt nun Light My Fire, ein sich stetig aufbauendes Stück, in dem der grandiose, staubtrockene Gesang so gut wie sonst nie zur Geltung kommt. Ob sich der Text eher auf Sex oder auf Drogenkonsum bezieht, wurde mir nie so recht klar, jedenfalls erreichen die gesungenen Worte Morrisons hier gerade durch den lakonischen Gesang eine unbeschreibliche Kraft, die schließlich in einem befreienden Schrei ihr Ende findet. Im Mittelteil umspielen sich Drums, Gitarre, und die Orgel auf eine solch vollkommene Art, dass die Musik einen bereits sakralen Charakter bekommt, eine bewusst gesetzte Antithese, denn fernab jedweder Religion finden die Beteiligten in all ihrem Pessimismus dennoch eine stets spürbare Spiel-, vielleicht auch Lebensfreude, provokant durch die Orgel, ein sehr kirchliches Instrument, ausgedrückt.

Die zweite Seite beginnt mit einem - für die späten 60er ja fast schon notwendigen - Cover eines Willie-Dixon-Songs, namentlich Back Door Man, ein Lied voll von herrlichen Zweideutigkeiten (You men eat your dinner, eat your pork and beans/I eat more chicken than any man ever seen, yeah) und einer von Ekstase erfüllten Stimme Morrisons. Wie für einen Blues-Song üblich, ist dieser hier als einer der wenigen des Albums fast nur von Gitarren getragen, doch dies fügt sich trotzdem wunderbar ins Gesamtbild ein, ein weiterer Beweis dafür, dass hier echte Meister am Werk waren, die es verstanden, das Gegensätzliche wunderbar zu vereinen. Als nächstes folgt mit I Looked at You erneut ein Liebeslied, diesmal dennoch sehr depressiv gestimmt (Yeah, we're on our way and we can't turn back), mit etwas über zwei Minuten auch sehr kompakt gehalten. End of the Night spricht gesellschaftliche Disparitäten an, von der Kluft zwischen Arm und Reich, so wie es Creedence Clearwater Revival später auf Albumlänge tun sollten (Some are born to sweet delight, some are born to the endless night). Take It As It Comes muntert dazu auf, einen Gang runter zu schalten und alles einfach geschehen zu lassen, was das Leben einem in den Weg legt, und trotz allem einfach sein Leben in vollen Zügen zu genießen (Take it as it comes, specialize in havin' fun).

Das letzte Lied des Albums markiert den Höhepunkt der Platte sowie wahrscheinlich auch den Höhepunkt des kompletten Bandkataloges (natürlich neben Riders on the Storm!): The End beginnt sehr ruhig, melancholisch, eigentlich schon schön. Die Gitarre setzt langsam ein, die Stimmung beginnt langsam, sich zu intensivieren, bis dann der Gesang, der nie, niemals stärker als in diesen zwölf Minuten war, einsetzt und die Stimmung des Liedes immer bedrückender wird, als es da heißt: 

This is the end... beautiful friend...this is the end, my only friend, the end/Of our elaborate plans, the end/Of everything that stands, the end/No safety or surprise, the end/I'll never look into your eyes... again...

Das Gitarrenspiel wird immer komplexer gespielt, die Orgel setzt subtil ein und untermalt die gottgleiche Stimme von Jim Morrison, als er apokalyptische Bilder vom endgültigen Zusammenbruch und Verfall allen Lebens besingt, verdeutlicht in der Zeile The killer awoke before down, he put his shoes on..., in der sich der Gesang dann in ein nahezu unverständliches Geschrei steigert, von dem man nur noch den Fetzen Father?-Yes son?-I want to kill you... Mother. I want to... versteht, über den weiteren Textverlauf der Strophe gibt es nur Vermutungen. Das Stück arbeitet sich danach immer weiter vor, während die depressive Aussage noch verdeutlicht wird (The end of night we tried to die), schließlich endet das Album mit einem simplen This is the end.

The Doors ist wahrlich one of a kind. Natürlich, die Instrumentierung ist vom Feinsten. Die Texte sind ebenfalls sehr metaphorisch und poetisch. Doch nie habe ich ein Album gehört, das so sehr vom unglaublichen Gesang des Bandleaders getragen wurde wie dieses. Jim Morrisons Stimme war einfach unbeschreiblich und wie er einfach jede Musikrichtung phänomenal meistert, ist wahrlich gottgleich. Von Blues über "normalen" Rock bis hin zum ausufernden Epos mit Anleihen der musique concrete ehrte dieser Mann einfach jedes Genre und ist nicht ohne Grund bis heute auch aufgrund seines frühen Todes eine wahrhaftig unsterbliche Legende. Dieser Gesang allein rechtfertigt sämtliche Superlative, die ich dem Album anhefte, man muss ihn einfach gehört haben, um es zu glauben. Der Gesang allein entführt einen, nimmt einen mit in völlig andere Dimensionen, nur um einen dann ganz plötzlich wieder alleine stehen zu lassen, gewissermaßen also eine Vertonung des Verlorenseins in den von Generationskonflikten bestimmten 1960er-Jahren, deren kulturelle Einflüsse aus verschiedensten Ecken der Welt ebenfalls spürbar werden. Ein wirklich einmaliges, glaubhaftes und zeitloses Dokument einer völlig anderen Zeit. Diese Platte stellt für mich die Verkörperung jener Zeit dar  und wird mich bei jedem erneuten Anhören derart bewegen wie sonst kaum ein Album. 

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