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Genesis - Genesis

Cover-Scan (Copyright Virgin/EMI)


Wie ihr alle inzwischen wisst, bin ich großer Genesis-Fan, würde sie wahrscheinlich sogar als meine Lieblingsband bezeichnen. Als solch großer Fan kann ich eigentlich allen Bandphase - vom schmalzigen Bibelpop der 60er über den Prog Rock der 70er bis zum Prog Pop der 80er und 90er - etwas abgewinnen, von den Popplatten finde ich Invisible Touch sogar nahezu grandios. Doch während alle an dem 1986 erschienenen Werk meckern, es sei der absolute Tiefpunkt der Collins-Ära von Genesis, so darf sich bei mir ein anderes Album diesen Titel sichern: Das 1983 erschienene, schlicht Genesis getaufte Album ist wohl wirklich der absolute Nadir dieser Wahnsinnsband. Echt.

Dabei beginnt die CD mit dem Megahit Mama wirklich vielversprechend: Quasi eine Ensemble-Version von Collins' Solo-Hit In the Air Tonight mit genauso düsterer Atmosphäre und langsamem Spannungsaufbau, wurde das Stück trotz massenuntauglicher Inszenierung und eines ebenso massenuntaglichen Themas (Freier verliebt sich hoffnungslos in eine Prostituierte) zum weltweiten Hit und kann wirklich überzeugen: die Band fährt in dem Stück sämtliche Register auf, sei es der bedrohliche Drumsound von Phil Collins oder das sich langsam heranpirschende Keyboard von Tony Banks, in Mama stimmt wirklich alles. Und mit dem großen Drumbreak in Minute 4 wird das Epos komplett.

Davon bleibt leider schmerzhaft wenig übrig: Der zweite Track That's All klingt wie der krampfhafte Versuch, Paul McCartney & Wings um die Wings zu berauben und stattdessen Azubis aus dem Studio ein paar Keyboardschnipselchen einspielen zu lassen, während einer von ihnen McCartney zu imitieren versucht. Kurzum: Furchtbar. Furchtbar banal, furchtbar langweilig. Home by the Sea versucht zumindest, etwas Progresssive Rock aufs Album zu bringen, erzählt auch eine nette Geistergeschichte von einer alten Irrenanstalt, deren Geister irgendeinem Typen aus ihrem Leben erzählen, hat jedoch bis auf die Länge von 11 Minuten und die Teilung in zwei Teile nicht wirklich etwas mit Stücken wie The Cinema Show zu tun. Wobei die Synthesizer-Überleitung zum zweiten Teil Second Home by the Sea einfach nur geil ist. Dafür wird der Hörer jedoch, nachdem er womöglich gerade erst bei Home... die Lautstärke aufgedreht hat, auf die furchtbarste Weise bestraft: Mit Illegal Alien haben Genesis zum ersten Mal versucht, wirklich politisch zu sein und gottlob haben sie es danach so gut wie nie mehr probiert: Das Lied startet mit enorm schmerzhaften digitalen Geräuschen, bevor die Band mit dem grauenvollsten Synthesizer-Einsatz aller Zeiten das Album souverän in den Abgrund manövriert - der Text handelt schließlich von einem Mexikaner, der illegal über die Grenze möchte, und während das Lied schon haarscharf an der Grenze zum Rassismus vorbeischrammt (I've got a sister who'd be willing to oblige/She'd do anything now to help me get on the outside), frage ich mich bei dem Musikvideo, in dem die Band mit riesigen Sombreros und falschen Schnurrbärten auftritt, wirklich, wie dieses jemals ausgestrahlt werden konnte (und Bowies Day-In Day-Out wurde verboten? Ernsthaft?? You're serious???).

Auf der zweiten Seite der LP feiert der Durchhalteschlager in Form von Taking It All Too Hard sein Comeback, garniert mit weiteren grausamen Synthesizer-Passagen und einem gelangweilten Dahinsingen von Phil Collins. Nicht weiter erwähnenswert. Just A Job To Do ist zumindest netter Uptempo-Pop, der jedoch etwas mehr Schlagzeug vertragen hätte. Nun wird es jedoch wirklich grässlich: Silver Rainbow handelt textlich von einem jungen Mann, der auf sein erstes Mal wartet, was also nicht nur ziemlich einfallslos vom früheren Counting Out Time abgekupfert ist, sondern auch noch daherkommt wie die schlimmste Form moderner Musik: Wie ein Weihnachtslied! Das Stück ist "angereichert" mit grässlichen Glöckchen-Effekten, Chören und natürlich wieder dem Synthesizer. Jeder, der sich über Invisible Touch wegen seiner 80er-Jahre-Produktion ernsthaft aufregt, hat dieses Album offensichtlich noch nicht gehört und noch nie ob der omnipräsenten Synthesizer schweren Brechreiz verspürt. Das Album schließt mit It's Gonna Get Better, gleichzeitig Durchhalteschlager Numero Due und Versprechen an die Hörer, die diese Platte genauso besch...eiden fanden wie ich. Das konnten sie zum Glück halten, 1986 wurde es mit Invisible Touch wieder heller am Genesis-Himmel.

Genesis mag zwar ein wirklich furchtbares Album sein, man muss der Platte jedoch eins zu Gute halten: Fortan sprach man über Genesis. Mit diesem Album wurden die drei Briten zu einer Band, die Stadien füllen konnte, zu einer der wichtigsten und erfolgreichsten Bands der 1980er-Jahre. Dies nutzten sie zum Glück für ein Nachfolgeralbum, welches man wieder ernst nehmen konnte, ohne nach dem Hören als Erstes den Boden zu verschönern. Ein Freund, dem ich einmal von diesem Album erzählt habe, sagte daraufhin, es sei sowieso sehr gewagt von einer Band, ein selbsternanntes Album zu veröffentlichen. Wie wahr... Genesis ist bis auf zwei Songs eine wirklich grauenvolle Platte und selbst von diesen zwei Stücken kann nur eines überzeugen. 2 von 5 Punkten und eine hundertprozentige Enttäuschung.


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