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Prince - 1999

Warner Bros.

Weiter als Controversy, lauter als Sign O' the Times und besser als Purple Rain.

Dabei lassen sich Elemente aller drei Platten bereits am sehr surrealen Cover erahnen: das Collagenhafte von Controversy geht mit dem lila Regen und der Überfüllung des 87er-Doppelalbums eine einzigartige Symbiose ein, die Lust auf den präsentierten Inhalt macht. Und der hat es auf dem 1982 erschienenen, ebenfalls als Doppel-LP angelegten 1999 des klein geratenen Wunderkindes aus Minneapolis ganz schön in sich - um es kurz zu machen, es geht bei Prince um Sex, und zwar verdammt viel davon. Und da die Songs fast alle mindestens sechs Minuten dauern, dürfte Prince bei der Gesamtlauflänge der Platte von 71 Minuten wohl auch eine praktische Anwendung derselben vorgestellt haben... ;)

Beginnen wir also: der Titeltrack eröffnet das Album und zeichnet ein apokalyptisches Untergangsszenario, das in Zeiten von Cold War-Paranoia und Dystopien wie Der Tag danach wohl einiges an gesellschaftlicher und politischer Brisanz gehabt haben dürfte. Letztlich liefert dieses Szenario trotzdem in erster Linie einen ernsteren Rahmen für eine von Prince zelebrierte Dekadenz, die schon so unverschämt wirkt, dass sie nur aus den Achtzigern stammen kann. Eine Zeile wie War is all around us, my mind says: prepare to fight/but if I'm gonna die, I'm gonna listen to my body tonight würde heute wohl kaum jemand, der gerade auf dem künstlerischen Weg nach oben ist, publizieren. Musikalisch legen die beteiligten Musiker hier Funk der härtesten Gangart vor, dessen böser Groove und knackiger Bass wahnsinnig Spaß machen - und das zieht sich zum Glück durch das ganze Album, balladeske Töne muss man hier schon mit dem Mikroskop suchen. Prince ist einfach nur auf die musikalische Befriedigung "niederer Gelüste" aus und dem zuzuhören, das muss man einfach einmal erlebt haben. Der Mann ist genau der Typ, von dem ich mir erwartet hätte, in seinem Bett ein Kissen mit dem Aufdruck Good morning gorgeous zu finden. Insbesondere die Trilogie der sehr langen Tracks Let's Pretend We're Married, D.M.S.R. und Automatic haben einen selten derben, versauten und vor Freude sprühenden Charakter, der diesem Album zum Herzstück dient und als herrliche Untermalung, Stimmungsaufhellung, etc. zu funktionieren weiß. Dabei bleibt das Tempo, wie schon erwähnt, durchgehend hoch, die Grooves so funky wie fast nie danach bei Prince, die Texte nur selten zweideutig (I sincerely wanna fuck the taste outta your mouth... can you relate?) und der Spaß dabei durchgehend hoch - 1999 ist von vorne bis hinten eine echte Stimmungskanone!

Und dabei ist es genau das, was heutiger, ermüdeter EDM-Charts-Einheitsbrei, dem die Kanten von Dubstep, Techno und (gescheitem) House schon lange abhanden gekommen sind und der diese Erkennungsmerkmale großzügig gegen weinerliche Sänger, nichtssagende weibliche Sidekicks und verzweifelt wirkende Breaks, denen jedwede Kraft schon im Ansatz durch vorher genannte Dinge geraubt wird, eingetauscht hat und damit weltweite Erfolge feiert, vermissen lässt: der Spaß! Die Power! Die versexten Lyrics von Prince, die im Gewand einiger der härtesten Funkmelodien des Genres wie eine Naturgewalt heranrollen und auf die Zuhörer hinabstürzen wie eine alles mitreißende Lawine der Dekadenz und der körperlichen Begierde. Diese Musik vermittelt keine lächerlichen Liebesprobleme, kein Gedenken über das (nonexistente) Morgen, sie soll einfach nur Spaß machen und auf härtestmögliche Art grooven. Und das ist einfach nur geil! Im Ernst, der Erfolg, den Prince mit dieser Platte hatte (US #9 und der Durchbruch für den Musiker), war eine vollkommen logische Folge dieser Geisteshaltung, die dem Album innewohnt und keinen kalt stehen lassen kann. Bis heute zählt 1999 vielerorts zu den besten Alben aller Zeiten und zu einem der besten, die Prince jemals veröffentlicht hat. Ich kann dazu nur sagen: hört euch 1999 (wieder) an, und wieder und wieder und wieder, denn hier war Prince weiter als auf Controversy, lauter als auf Sign O' the Times und um ein Vielfaches besser als auf Purple Rain!

Shake it like you just don't care! 

5/5

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