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Grossstadtgeflüster - Episode 1: Fickt-Euch-Allee

Grossstadtgeflüster/BMG
Irgendwann reicht's einem einfach, oder? Geht allen so. Die Berliner Band Grossstadtgeflüster hat sich das 2015 ebenfalls gedacht und ein Mini-Album veröffentlicht, das der No fucks given-Attitude früher Punkbands zur Ehre gereicht - und selbst mich als Rock-Hörer für 20 Minuten von Electronic Pop überzeugen kann.

Das Titellied gibt als Opener natürlich gleich den Ton der fünf Stücke an: Sängerin und Gründungsmitglied Jen Bender könnte es kaum weniger interessieren, was ihre Umwelt tut, denkt, sagt, etc. Bei den geschilderten Personentypen scheint der Urlaub in den Misanthropen die einzige Möglichkeit zu sein, seine wohlverdiente Ruhe zu bekommen und sich in einem göttlichen Ohrwurm-Refrain erster Güte einfach mal selbst zu feiern. Selten klang Menschenhass geiler (eigentlich nie). Und auch wenn manche der Wortspiele im Text eher zweckdienlich sind (besonders die lang gezogenen i-Laute, die eher nach Wien als nach Berlin klingen, stören etwas), die Musik, die sich Grossstadtgeflüster auf die Fahnen geschrieben haben, ist einfach großartig und balanciert auf eleganteste Weise zwischen Electro für die Clubs und der Melodieführung alter Punksongs vom Kaliber FEAR oder Black Flag.

Deren Weltanschauung auch auf den anderen Tracks klar durchscheint. Blaues Wunder ist eine Ansage an ein oft einfach ziemlich bescheidenes Leben (Ich kann eigentlich gar nichts, aber das kann ich gut), auf die sofort wieder eine Frage folgt, die das Programm beherrscht: Wo ist die Party? Mit einer dicken, fetten Tüte vor der Gendarmerie wissen Grossstadtgeflüster, was von Moralvorstellungen und Ratschlägen aller Art zu halten ist und halten alldem einen deftigen Beat und die Ankündigung Wir sind die Party entgegen. Quasi Die Einigung, sich einfach gegenseitig in Ruhe zu lassen, anstatt sich in die Leben seiner Umwelt einzumischen und sich wichtig zu machen. Und Jen? Die folgt einfach dem Weißen Kaninchen ins Wunderland, Keyboarder Raphael (Schalz) und Drummer Chriz (Falk) spielen die Musik dazu, so feierlich, wie es sich für ein solches (Mini-)Album schließlich gehört.

Wer einfach mal für 20 Minuten komplett weg muss und sowieso genug vom Alltagsleben hat, dem sei das mittlerweile nur mehr als Download erhältliche Minialbum mit dem Titel Episode 1: Fickt-Euch-Allee wärmstens empfohlen. Wobei, als Soundtrack zur nächsten night out oder Hausparty eignen sich Grossstadtgeflüster mindestens ebenso gut. Wir fallen durch den Tunnel ins Nichts und haben dabei einfach eine geile Zeit.

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